Vom Fall zur eigenen Praxis

Fallbasiertes Lernen für Lehrpersonen: Entscheidungen besprechbar machen

Beim fallbasierten Lernen untersuchen Lehrpersonen eine konkrete Unterrichtssituation und begründen mögliche Handlungen. «Was tust du jetzt?» ergänzt diesen Zugang um Entscheidungen, erzählte Reaktionen und einen zweiten Blick auf die Folgen. Der Wert für die Fortbildung liegt in den Fragen, die ihr daraus für eure Praxis entwickelt.

Von Lucca Spohn · Digitales Pausenbrot

Ein Fall beginnt vor der vollständigen Erklärung.

Im Unterricht musst du häufig handeln, während noch Fragen offen sind. Auch ein Spielbeginn zeigt deshalb nur einen Ausschnitt: einen Auftrag, einen Dialog und eine sichtbare Schwierigkeit. Vor deiner Wahl kannst du festhalten, welche Information du bereits hast und was du nur vermutest.

Beim Geografiebericht ist beispielsweise zunächst unklar, was Tims Schweigen beim Fachwort über sein Verständnis aussagt. Bei der Gruppenarbeit liegt ein Ergebnis vor, während die fachlichen Beiträge der einzelnen Mitglieder erst sichtbar werden müssen. Unterschiedliche nächste Schritte richten die Aufmerksamkeit auf verschiedene Aspekte.

Wählt den Fall nach eurer fachlichen Frage.

Beginnt im Kollegium mit einer Frage aus eurer Arbeit: Wie führen wir eine Gegenprobe durch? Wie verteilen wir Verantwortung in Gruppen? Wie reagieren wir, wenn ein KI-Chat für eine Schülerin persönlich wichtig geworden ist? Wählt anschliessend einen Fall, dessen Lernziel und Kontext dazu passen.

Die Fälle sind für die Sekundarstufe I geschrieben und redaktionelle Fiktion. Lest das jeweilige Unterrichtsziel ausdrücklich mit. Gerade bei Beziehungsfragen oder dem Umgang mit eingegebenen Daten ist der erzählte Ausschnitt begrenzt; eure schulischen Zuständigkeiten und Abläufe bleiben Teil der realen Situation.

Drei Gesprächsrunden für einen Fall

Ihr könnt diese Runden im Solomodus am gemeinsamen Bildschirm oder nach dem individuellen Spielen im Kollegiumsmodus nutzen. Wenn alle ähnlich entschieden haben, beginnt mit den unterschiedlichen Annahmen hinter der Wahl.

  • Vor der Reaktion: Welche Handlung wählst du, welches Ziel verfolgst du und was erwartest du als Nächstes?
  • Nach der Reaktion: Welche neue Information ist sichtbar geworden? Was würdest du jetzt genauer wissen wollen?
  • Nach dem zweiten Blick: Was hat der Weg ermöglicht, was blieb offen und welche Bedingung würde deine Einschätzung verändern?

Übertragt eine Entscheidungsfrage in euren Unterricht.

Die Figuren und Dialoge lassen sich nicht unverändert auf jede Lerngruppe übertragen. Formuliert deshalb zuerst die Frage, die ihr mitnehmt. Aus dem Gruppenfall könnte sie lauten: «Wie machen wir sichtbar, dass jedes Mitglied eine gemeinsame Aussage erklären und begrenzen kann?» Daraus könnt ihr einen kurzen Zwischenauftrag entwickeln.

Prüft dann gemeinsam drei Bedingungen eurer eigenen Situation: Was ist das Lernziel? Welche Unterstützung ist erlaubt? Wie viel Zeit steht für den nächsten Schritt zur Verfügung? Haltet den geplanten Impuls und eine erwartete Beobachtung fest. Ein späteres Gespräch über die tatsächliche Unterrichtsreaktion verbindet den bearbeiteten Fall mit eurer Erfahrung.

Fragen aus der Praxis

Gibt es in den Fällen eine Musterlösung?

Das Spiel vergibt keine Punkte und bewertet keine Lehrpersonen. Jeder Ausgang beschreibt, was in diesem möglichen Verlauf gelang und was offenblieb. Ihr könnt daraus begründete Handlungsalternativen entwickeln und deren Voraussetzungen diskutieren.

Sind die Reaktionen von Schülerinnen und Schülern echt?

Die Figuren, Dialoge und Verläufe sind redaktionell ausgearbeitete Fiktion. Es antwortet keine KI live. Die Szenen sind Gesprächsmaterial und keine Aufzeichnung realer Lernender, Diagnose oder Vorhersage ihrer Reaktionen.

Wie unterscheidet sich das Spiel von einer gelesenen Fallgeschichte?

Du wählst Handlungen und liest darauf bezogene Reaktionen. In längeren Fällen können frühe Entscheidungen später wieder bedeutsam werden. Beim erneuten Spielen lassen sich unterschiedliche Wege vergleichen; an ausgewählten Stellen kannst du zuvor deine Erwartung festhalten.

Kann ich einen Fall in einer schulischen Weiterbildung einsetzen?

Du kannst das Spiel im Browser gemeinsam besprechen oder über den Kollegiumsmodus individuelle Wege vergleichen. Plane zusätzlich zur Spielzeit einen Austausch über Gründe, offene Fragen und den Transfer ein. Der Leitfaden zur Kollegiumsfortbildung bietet dafür einen Ablauf über 30 Minuten.

Mit diesen Fällen ausprobieren

Weitere Perspektiven