Beginne mit dem Können, das sichtbar werden soll.
Ein fertiger Text kann für verschiedene Aufträge etwas ganz anderes bedeuten. Soll eine Schülerin eine Erinnerung erzählen, eine Behauptung begründen oder eine Formulierung überarbeiten? Schreibe vor der KI-Nutzung einen Satz: «Am Ende kann die lernende Person …» Ergänze ein beobachtbares Tun, etwa vergleichen, erklären, auswählen oder eine Änderung begründen.
Im Fall «Wessen Abend ist das?» überarbeitet KI Leas Erinnerung. Dabei ändern sich Personen und Stimmung. Das Gespräch kann nun an konkreten Stellen ansetzen: Welche sprachliche Änderung möchte Lea übernehmen? Welches Detail muss erhalten bleiben? So erhält das Lernziel eine Form, die sich am Text besprechen lässt.
Suche eine kleine, aussagekräftige Beobachtung.
Du musst nach einer KI-Antwort nicht den gesamten Lernstand klären. Wähle einen überschaubaren Anschluss: eine Aussage am Original prüfen, einen Rechenschritt erklären oder eine Nachricht an eine veränderte Situation anpassen. Halte dabei fest, welche Hilfe verfügbar war.
Bei Alinas Einladung im Englischunterricht lautet das Ziel, selbst weiterkommunizieren zu können. Ein geänderter Treffpunkt bietet einen passenden Anschluss. Bei Samis Quellenprüfung geht es dagegen um die Reichweite eines Belegs. Hier wäre ein schöner formulierter Absatz keine Beobachtung des angestrebten Könnens.
Vier Fragen für deine nächste Unterrichtsentscheidung
Diese Fragen kannst du an einen vorbereiteten Auftrag oder an eine Situation während der Lektion anlegen. Die Antworten dürfen knapp bleiben; ein Stichwort pro Frage reicht für den Einstieg.
- Ziel: Was soll die lernende Person bei diesem Auftrag selbst erklären, entscheiden oder herstellen können?
- Hürde: Was sehe oder höre ich gerade, das den nächsten Schritt erschwert?
- Hilfe: Welcher begrenzte Impuls könnte diesen Schritt ermöglichen?
- Anschluss: Woran würde ich erkennen, was nach der Hilfe möglich geworden ist und was offenbleibt?
Eine erste Übung in 15 Minuten
Wähle einen Fall, dessen Lernziel du aus deinem Unterricht kennst. Notiere vor der ersten Entscheidung, was du herausfinden möchtest. Spiele den Fall, wähle eine Erwartung und lies den anschliessenden Abgleich. Halte eine Stelle fest, an der die Reaktion deine Annahme verändert hat.
Formuliere danach einen Satz für eine eigene Lektion: «Wenn ich diese Beobachtung mache, probiere ich diesen Impuls und achte anschliessend auf …» Der Spielverlauf ist redaktionell ausgearbeitet. Er liefert einen Anlass für deine Planung; wie deine Klasse reagiert, musst du im Unterricht beobachten.
Fragen aus der Praxis
Was ist der Unterschied zwischen KI bedienen und KI didaktisch einsetzen?
Beim Bedienen geht es beispielsweise darum, eine Anfrage zu formulieren. Die didaktische Planung verbindet diese Nutzung mit einem Lernziel: Welche Arbeit übernimmt die KI, was tun die Lernenden selbst und wie wird ihr Verständnis sichtbar? Beides kann in derselben Aufgabe zusammenkommen.
Brauche ich für den Einstieg besondere KI-Kenntnisse?
Für das Spiel brauchst du einen Browser und deine pädagogische Perspektive. Die KI-Dialoge sind bereits ausgearbeitet. Du kannst unmittelbar darüber nachdenken, welches Lernziel gilt, welche Hilfe passt und welche Nachfrage du stellen würdest.
Soll KI möglichst wenig vom Auftrag übernehmen?
Lege die erlaubte Hilfe vom Lernziel aus fest. Übersetzung kann beispielsweise eine Kommunikationshandlung ermöglichen. Wenn eigene Formulierungsfähigkeit das Ziel ist, braucht es zusätzlich eine passende eigene Sprachhandlung. Eine feste Menge an KI-Hilfe beantwortet diese Frage noch nicht.
Für welche Schulstufe sind die Fälle geschrieben?
Die Fallbibliothek beschreibt Unterrichtssituationen der Sekundarstufe I. Für andere Stufen kannst du die Entscheidungsfragen als Gesprächsanlass nutzen. Passe dabei Fachinhalt, sprachliche Anforderungen, erlaubte Hilfen und erwartete Eigenständigkeit an deine Lerngruppe an.



