Halte deine Erwartung vor der Reaktion fest.
Eine nachträgliche Erklärung kann vieles plausibel erscheinen lassen. Für die Übung lohnt sich deshalb eine kurze Unterbrechung direkt nach deiner Entscheidung. Vervollständige den Satz: «Nach diesem Impuls erwarte ich, dass …» Beschreibe möglichst etwas, das die lernende Person sagen, schreiben oder zeigen könnte.
Im Spiel stehen vor ausgewählten Reaktionen vier Erwartungen zur Verfügung, die zur vorherigen Handlung passen. Nach dem Aufdecken erscheint ein individueller Abgleich. Die Auswahl verändert den erzählten Verlauf nicht und wird nicht benotet. Du kannst den Erwartungsschritt auch überspringen.
Unterscheide die Beobachtung von deiner Deutung.
«Nino kann keine Gleichungen» wäre eine weitreichende Deutung. «Nino schreibt nach meinem Hinweis x − 2 = 4 und fragt, ob er jetzt 2 abziehen soll» hält eine konkrete Reaktion fest. Diese Beobachtung kann Anlass sein, die Umkehroperation genauer anzuschauen. Über andere Aufgaben sagt sie noch wenig aus.
Auch bei Leas Text lohnt diese Trennung: Eine Frage nach den Arbeitsschritten kann im Spiel zunächst als Herkunftskontrolle ankommen. Das sagt etwas über den Gesprächsverlauf. Welche Überarbeitung Lea selbst erklären kann, muss erst im weiteren Austausch sichtbar werden.
Ein Reflexionsprotokoll für zehn Minuten
Spiele einen Fall und halte nach der ersten Reaktion vier kurze Notizen fest. Im Kollegium können zwei Personen ihre Notizen vergleichen, bevor sie weiterdiskutieren. Für eine echte Unterrichtsszene verwendest du eine anonymisierte Beschreibung aus deiner Erinnerung.
- Meine Handlung: Notiere den konkreten Satz oder Auftrag, den du gewählt hast.
- Meine Erwartung: Beschreibe die erhoffte oder befürchtete nächste Reaktion.
- Meine Beobachtung: Halte ein Zitat, einen Rechenschritt oder eine sichtbare Veränderung fest.
- Mein Anschluss: Formuliere eine Nachfrage, die eine noch offene Annahme klären könnte.
Nutze einen zweiten Weg für eine neue Frage.
Spiele den Fall erneut und ändere deine erste Entscheidung. Vergleiche, welche Information in beiden Wegen früh sichtbar wird und welche erst später auftaucht. Bei einer mündlichen Gegenprobe kann beispielsweise die Frage nach einem Fachwort andere Beobachtungen ermöglichen als eine Erklärung an der Skizze.
Behandle die Unterschiede als Gesprächsanlass. Die Reaktionen im Spiel sind verfasste Möglichkeiten; ein anderer Klick ist kein Experiment mit einer realen Klasse. Für deinen Unterricht bleibt daher eine offene Frage: «Wenn ich diesen Impuls ausprobiere, worauf werde ich achten?» Nimm genau diese Frage mit in die nächste Lektion.
Fragen aus der Praxis
Ist eine abweichende Reaktion ein Zeichen für eine schlechte Entscheidung?
Eine Abweichung gibt zunächst Anlass, deine Annahme zu prüfen. Frage, welche Information dir vor der Entscheidung fehlte und ob dein nächster Schritt zur nun sichtbaren Situation passt. Das Spiel vergibt dafür keine richtige oder falsche Bewertung.
Was bringt die Vorhersage, wenn die Reaktionen erfunden sind?
Du hältst deine Annahme fest und kannst sie mit einer konkret ausgearbeiteten Möglichkeit vergleichen. Dadurch habt ihr im Gespräch etwas Bestimmtes zu untersuchen. Der Abgleich misst keine Fähigkeit, reale Schülerinnen und Schüler vorherzusagen.
Muss ich nach jeder Lektion ein Protokoll schreiben?
Für diesen Vorschlag genügt eine ausgewählte Situation. Halte Handlung, Erwartung, Beobachtung und Anschluss jeweils in einem Satz fest. Entscheidend ist, dass daraus eine konkrete Frage für dein weiteres Handeln entsteht.
Wie kann ich eine überraschende Reaktion im Kollegium besprechen?
Lies zunächst nur Situation, Lernziel und deinen Impuls vor. Lass die anderen ihre Erwartungen formulieren und ergänze erst dann die beobachtete Reaktion. Besprecht, welche Annahmen sich unterscheiden und welche Nachfrage ihr jetzt stellen würdet.



